leben mit velos

markttreiben

seit ich gross genug dazu bin, habe ich immer mit velos gelebt. da ich nichts besseres gefunden habe, wofür sich's zu leben und anzustrengen lohnt, ist's dabei geblieben.

velofahren ist wie das leben, nur leicht und angenehm, solange wir in selbstbestimmter bewegung sind, nicht getrieben und vor allem nicht in die enge getrieben.

mir selbst hat das velo schon oft geholfen: wenn - zum beispiel - der kopf zu voll ist oder zu leer, fahre ich manchmal einfach los und plötzlich geht's wieder. freihändig! dabei kommt es überhaupt nicht darauf an, wohin ich fahre und wann ich ankomme schon gar nicht. einfach freihändig. ein glücksmoment!

freihändig ist ein geschenk, das wir uns selber machen können, wenn wir uns beim velofahren schön entspannen. mit gewalt geht da gar nichts. freihändig ist aber auch ganz schön anspruchsvoll was das velo anbelangt: ein schiefer rahmen? eine falsch berechnete gabelvorbiegung? ein verrutschtes felgenband? eine schleifende bremse? ein blockierter steuersatz? ein achter? eine falsche sitzposition? ganz wenig braucht's und nichts geht mehr! deine hände krampfen sich in panik um den lenker und nach 10 minuten steigst du völlig erledigt ab. oder auch nicht: die meisten leute kennen gar nichts anderes als irgendwie marode velos und fahren ihr leben lang weiter damit.


alltagsvelo

welche konsequenzen hat ein alltagsvelo?

wenn du kein solches velo hast, schleppst du dein leben lang einkaufstüten und du musst ein drittel deiner lebensarbeitszeit für dein auto arbeiten, da sind die (un)zeiten der parkplatzsuche noch nicht mal mit eingerechnet.

die strasse, wo du und deinesgleichen wohnen, steht nicht für spiel und entspannung aller zur verfügung, weil da ja schon dein auto steht und die autos aller anderen.

weil es, vollgestopft mit autos, nicht mehr so schön ist da wo du wohnst, musst du und deinesgleichen ständig nach phuket oder mallorca fliegen - halt einfach, wo es grad am billigsten ist.

vom fluglärm, der dabei entsteht, kriegst du kopfweh und du musst noch mehr nach phuket oder mallorca fliegen - halt einfach, wo es grad am billigsten ist.

wirklich weiter so?



überleben mit velos:

ich baue velos, weil ich das will und weil es mir spass macht und ich baue sie so, wie es sich gehört. das geht leider nicht mit billigteilen und es braucht auch einiges an zeit. ich höre ab und zu: "dafür kann ich mir ja einen gebrauchtwagen kaufen!" wie weit man damit kommt, zeigt die kleine bilderstrecke, aufnahmen nach dem sturm sandy, ein bisschen wind, ein bisschen wasser und die stolzen gebrauchtwagenchauffeure stehen massenhaft vor den trockenen zapfsäulen wie die junkies! zum glück relativ friedlich...
gas1gas2gas3gas4gas5gas6gas7
schockierend ist, wie schnell so etwas geht - bzw nicht mehr geht - die ganze tolle infrastruktur abgesoffen, verwüstet, blockiert, geplündert.

wie kommst du am besten aus so etwas raus, wenn es so weit ist? mit dem velo!

active

hoffnung machen hingegen solche bilder:

ein retterteam bespricht das weitere vorgehen, alles material fährt auf robusten velos mit. der blick wach und handlungsbereit, so sieht gelebte menschenwürde aus! vergleiche das mit den fuel-junkie-bildern und überleg dir, welche der beiden mentalitäten eine zukunft hat.

aufgenommen an einer katastrophenhilfe-übung in portand letzten juni.
zweite fundstelle

nachbarschaftshilfe per velo nach dem hurrycan sandy!

recoverydieses team ist mit hilfsmaterial in einer gegend unterwegs, die nicht mehr per auto erreichbar ist. eindrücklich!

quelle


selbstverständlich kommen solche ideen nicht von "oben" sondern von unten, müssen wir mal wieder unsere eliten auswechseln?